Risiken und Folgen der Internetnutzung - Zahlen und Fakten - suchtschweiz.ch

Risiken und Folgen der Internetnutzung

    Risikofaktoren

    Das Vorhandensein folgender Merkmale erhöht die Wahrscheinlichkeit einer problematischen Internetnutzung im Allgmeinen oder einer problematischen Nutzung spezifischer Internetangebote:

  • Eigenschaften des Internet oder von Aktivitäten im Internet
    • leichte Zugänglichkeit
    • Kontinuität, d.h. die virtuelle Welt entwickelt sich weiter, auch wenn man offline geht
    • fast unendliche Inhalte
    • Anonymität
    • die virtuelle Welt scheint eher als die Realität kontrollierbar
    • das Web bietet unmittelbare Erfüllung verschiedener Bedürfnisse
  • Individuelle Merkmale
    • Alter (Adoleszenz)
    • schwierige soziale Situation (z.B. Arbeitslosigkeit, Migrationserfahrung)
    • niedriges Einkommen
    • psychische Probleme (z.B. Angst, Depression) können einer problematischen Nutzung vorangehen oder sich durch diese entwickeln
    • bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, insbesondere schwaches Selbstwertgefühl, Introversion
    • wenig soziale Unterstützung
    • das Geschlecht kann je nach Onlineaktivität ein Risikofaktor sein
  • Spezifische Merkmale bei Jugendlichen
    • dysfunktionale Familie
    • schwierige Kommunikation innerhalb der Familie
    • wenig oder keine Überwachung durch Eltern, was die Internetnutzung angeht
    • Druck innerhalb des Freundeskreises
  • Mögliche Folgen einer problematischen Internetnutzung im Allgmeinen oder einer problematischen Nutzung spezifischer Internetangebote

    Im Zusammenhang mit der Internetnutzung werden verschiedene (negative) Folgen genannt, die bei einer problematischen Nutzung auftreten können.

  • Mögliche Folgen für die psychische Gesundheit
    • Depressivität
    • Gefühl von Kontrollverlust
    • Stress, Überbelastung
  • Mögliche Folgen für die körperliche Gesundheit
    • Fehlernährung
    • Gewichtszunahme
    • muskuläre Probleme, Haltungs- und Rückenprobleme
    • Auswirkung auf den Schlaf, Müdigkeit
    • Veränderung der Sehfähigkeit
  • Mögliche soziale Folgen

    • Isolation
    • Probleme in familiären Beziehungen
    • Schulprobleme, Probleme bei der Arbeit
    • je nach Onlineaktivität auch Geldprobleme (z. B. bei Geldspielen, Spielen mit (Mikro-)Transaktionen von Geld, Onlineshopping)

    Anzeichen von Kontrollverlust

    Manche Personen verlieren die Kontrolle über ihre Internetnutzung im Allgmeinen oder über die Nutzung spezifischer Internetangebote. Sie können nicht mehr darauf verzichten. Die Symptome, die diese Personen beschreiben, sind den Symptomen einer Sucht ähnlich.

    Der Ausdruck "Abhängigkeit" sollte jedoch mit Vorsicht verwendet werden, da bisher weder die Terminologie oder die Definition abschliessend geklärt ist, noch universell geltende diagnostische Kriterien festgelegt wurden. Die Ausdrücke problematischer Gebrauch des Internets oder Internetgebrauchsstörung werden immer häufiger benutzt.

    Angesichts des fehlenden Konsenses unter Expertinnen und Experten zu den diagnostischen Kriterien einer problematischen Internetnutzung, werden oft die diagnostischen Kriterien der Substanzabhängigkeit, der Geldspielsucht oder der Impulskontrollstörung herangezogen, um eine Internetnutzung zu beschreiben, die mit einem Kontrollverlust einhergeht.

    Die Zeit, die jemand online verbringt, ist kein ausreichendes Kriterium, um eine problematische Nutzung zu definieren.

  • Kriterien, die oft herangezogen werden
    • ein starker Drang, das Internet zu nutzen
    • Schwierigkeiten, die Internetnutzung zu kontrollieren
    • Nervosität, Gereiztheit wenn man nicht online gehen kann
    • immer häufigere und längere Internetnutzung
    • der Internetnutzung wird zugunsten anderer Interessen und Verpflichtungen der Vorrang gegeben
    • anhaltende Nutzung des Internets trotz schädlicher Folgen

Verschiedene offene Klassifizierungs-Fragen

Der wissenschaftliche Erkenntnisstand ist (noch) nicht ausreichend, um die vielen Fragen zu beantworten, die sich stellen.

Eine wichtige Debatte ist zum Beispiel die Frage, ob die problematische Internetnutzung ein Problem an sich ist oder ob sie ein Symptom eines bereits bestehenden psychologischen Problems wie Depression, Sozialphobie oder Angst ist.

Eine weitere offene Frage: Sind bestimmte Störungen im Zusammenhang mit der Internet-Nutzung im Allgemeinen oder eher mit spezifischen Aktivitäten im Internet verbunden? Einige Fachleute sprechen von einer problematischen Nutzung des Internets im Allgemeinen, unabhängig von der ausgeübten Tätigkeit. Für andere ermöglicht oder erleichtert das Internet verschiedene spezifische Aktivitäten, die der Entwicklung eines unkontrollierten Konsums oder einer Sucht förderlich sind. So ermöglichen gewisse Aktivitäten online ohne grossen Aufwand Anerkennung, Erfolg, Kontrolle und ein Zugehörigkeitsgefühl, die im realen Leben nicht immer einfach zugänglich sind. Folgende Online-Aktivitäten sind mit einem Risiko für die Entwicklung eines problematischen Gebrauchs verbunden:

  • Online-Spiele, Gaming (insbesondere MMORPG "massively multiplayer online role-playing games" und Spiele, die loot boxes oder andere Mikrotransaktionen umfassen)
  • Online-Kommunikation (insbesondere über Snapchat, Instagram etc.)
  • Pornographie
  • Geldspiele
  • Einkäufe

Eine loot box ist ein virtueller Gegenstand, der den Spielenden Verbesserungen oder ein schnelleres Fortkommen im Spiel ermöglichen. Sie sind entweder gratis oder in der Regel mit geringen Kosten verbunden.

Begriffe wie problematische Internetnutzung und Internetgebrauchsstörung erscheinen weder in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (ICD-11) noch im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der American Psychiatric Association (DSM 5).

Dagegen umfasst der ICD-11 seit seiner Überarbeitung im Mai 2019 sowohl Online- als auch Offline-Spielsucht (Gaming disorder). Sie ist definiert als ein Verhalten, das mit der Ausübung von Video- oder digitalen Spielen zusammenhängt und gekennzeichnet ist durch:

  • Kontrollverlust;
  • eine gesteigerte Fokussierung auf das Glücksspiel, bis zu dem Punkt, an dem es Vorrang vor anderen Interessen und täglichen Aktivitäten hat
  • die fortgesetzte oder zunehmende Ausübung des Glücksspiels trotz schädlicher Auswirkungen.

Im DSM-5 von 2013 wird festgestellt, dass das Internet gaming disorder weitere Untersuchungen erfordert, bevor es als neue Diagnose anerkannt werden kann.

Gegenwärtig gibt es keine international anerkannte Diagnostik für andere spezifische Aktivitäten, die im Internet ausgeführt werden. Es wird jedoch viel geforscht, um die mit anderen Aktivitäten verbundenen Risiken zu ermitteln. Dies sollte es ermöglichen, über die Vorteile der Schaffung neuer Diagnosen zu entscheiden.

Letzte Aktualisierung: 09.06.2020
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