Sucht Schweiz - Zahlen und Fakten - Fakten

Fakten

Porträt

In den letzten Jahren sind in der Schweiz mehrere Produkte auf den Markt gekommen, die nach Produzentenangaben den Tabak nur erhitzen, aber nicht verbrennen und so viel weniger Schadstoffe freisetzen sollen. Bei IQOS von Philip Morris und bei Glo von BAT wird dabei eine mit Tabak gefüllte Kapsel in einem Gerät durch eine batteriebetriebene Klinge auf rund 310 bis 350 respektive 240 Grad erhitzt. Mit einem Atemzug gelangt das Aerosol (Gas- und Partikelgemisch) in die Lunge.

Im Gegensatz dazu wird bei Ploom von Japan Tobacco ein durch eine Batterie auf 30 Grad erwärmter Dampf durch eine Tabakkapsel gezogen und gelangt so in die Lunge.

Die neue Kategorie der Tabakprodukte zum Erhitzen wird regelmässig durch neue Produkte ergänzt oder erneuert und ist in stetem Wandel.

 

Wirkung-Risiken

Wirkung

Nikotin ist die im Tabakblatt enthaltene Substanz, welche die psychoaktive Wirkung im Gehirn und die Abhängigkeit verursacht. Nikotin stimuliert die Ausschüttung von Dopamin und anderen Neurotransmittern mit ihren zahlreichen psychischen und körperlichen Auswirkungen: Stimulierung, Steigerung der Wahrnehmungsfähigkeit und der Gedächtnisleistung sowie Appetithemmung. Die aufgenommene Menge Nikotin hängt vom konsumierten Produkt und von der Aufnahmeform ab.

Bei der Inhalation des Aerosols von IQOS wird wahrscheinlich eine ähnlich rasche Nikotinaufnahme und ein fast ähnliches Niveau an Nikotin im Blut erreicht wie mit Zigaretten. Unabhängige Studien zu Glo existieren bisher nicht. Bei Ploom hingegen wird weniger Nikotin freigesetzt.

Risiken-Folgen

Abhängigkeit

Das im Tabak enthaltene Nikotin ist einer der am schnellsten abhängig machenden Stoffe. Bei Tabakprodukten zum Erhitzen ist die Frage der Abhängigkeit im Vergleich zu den Zigaretten noch nicht ausreichend geklärt, es ist aber wahrscheinlich, dass bei regelmässigem Konsum eine Abhängigkeit entstehen kann.

Gesundheitliche Folgen

Gemäss den Produzenten von IQOS und Glo sollen diese Produkte "90 bis 95% weniger Schadstoffe" enthalten als herkömmliche Zigaretten und keinen Rauch produzieren. Da diese Produkte erst seit Kurzem auf dem Markt sind, bestehen erst sehr wenige unabhängige Untersuchungen. Diese zeigen unterschiedliche Resultate: Während einzelne Studien in die gleiche Richtung gehen wie diejenigen der Industrie, zeigen andere Untersuchungen einen leicht grösseren Schadstoffausstoss, bei einzelnen Stoffen gar fast so hoch wie bei Zigaretten.

Allen Studien ist allerdings gemein, dass auch Partikel in Form von festen Teilchen nachgewiesen werden, die nur durch unvollständige Verbrennung entstehen können. Ein Aerosol mit festen Teilchen wird als Rauch definiert. Offenbar braucht es dazu kein Feuer, sondern es genügt die Pyrolyse, also eine starke Erhitzung ohne Sauerstoffzufuhr.

Bei den verfügbaren Studien wurden hauptsächlich Schadstoffe untersucht, die krebserregend sind. Toxine, die für Herz- und Lungenkrankheiten verantwortlich sind, standen weniger im Fokus. Zudem wird sich erst langfristig zeigen, welche gesundheitlichen Schäden entstehen. Denn diese nehmen nicht linear mit der Menge der Schadstoffe zu, bei einigen genügt bereits eine kleine Menge."95% weniger Schadstoffe" heisst also noch lange nicht 95% weniger Schäden.

Gemäss Japan Tobacco sollen beim Gebrauch von Ploom 99% weniger Schadstoffe entstehen als bei herkömmlichen Zigaretten. Hierzu gibt es zwar keine unabhängigen Studien, aber auf Grund der bei der Erhitzung auf 30 Grad fehlenden Pyrolyse ist die Menge der Schadstoffe wahrscheinlich kleiner als bei IQOS und Glo.

Schwangerschaft

Nikotinkonsum während der Schwangerschaft stört die Gehirn- und Lungenentwicklung des Ungeborenen. Nikotin erhöht auch das Risiko eines geringen Geburtsgewichts, von Früh- und Totgeburten sowie Plötzlichem Kindstod.

Todesfälle

Über Todesfälle durch den Konsum von Tabakprodukten zum Erhitzen lässt sich heute noch nichts Genaues sagen. Der Hauptanteil der Schadstoffe aus Nikotinprodukten entsteht durch die Verbrennung von Tabak, und bisherige Erkenntnisse zeigen, dass Tabakprodukte zum Erhitzen weniger Schadstoffe produzieren. Allerdings können gewisse Schadstoffe schon bei geringen Mengen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

 

Rechtliche Grundlagen

Gesetze

Die Herstellung, Kennzeichnung und Bewerbung von Tabakprodukten sind heute in der zum Lebensmittelgesetz gehörenden Tabakverordnung geregelt. Ein neues Tabakproduktegesetz soll diese Verordnung ablösen. Das Inkrafttreten ist nicht vor 2021 zu erwarten.

Passivrauch

Bezüglich Passivrauchregulierung unterliegen diese Produkte heute nicht direkt dem Passivrauchgesetz, sondern den kantonalen Interpretationsspielräumen und je nach Kanton weiter gehenden Gesetzen.

In allen Studien, selbst den industrieeigenen, wird die Produktion von Rauchpartikeln nachgewiesen. Tabakerhitzer sind deshalb auf jeden Fall den Passivrauchgesetzen zu unterstellen.

Jugendschutz

Das Mindestalter für den Kauf von Tabakprodukten zum Erhitzen ist heute kantonal geregelt und liegt meist bei 16 oder 18 Jahren. Mit dem neuen Tabakproduktegesetz soll das Alter schweizweit auf 18 Jahre angehoben werden.

Werbung

National ist einzig die Werbung an Radio und Fernsehen verboten. Einige Kantone gehen mit dem Verbot von Plakatwerbung, Kinowerbung oder Sponsoring von Kulturveranstaltungen einen Schritt weiter. Zudem ist Werbung untersagt, die sich mehrheitlich an Minderjährige richtet.

Besteuerung

Die Besteuerung von Tabakprodukten zum Erhitzen wurde innerhalb der Kategorie "Übrige Tabakfabrikate" des Tabaksteuergesetzes vorgenommen, obwohl das Aerosol als Rauch taxiert werden könnte. So muss nur 12% des Preises als Tabaksteuern abgeführt werden, obwohl eine Packung Sticks in etwa gleich teuer ist wie eine Zigarettenpackung.

 

Prävention

Da bisher noch kaum unabhängige Studien zu den mittel- und langfristigen Risiken der "neuen Tabak- und Nikotinprodukte" vorliegen, wird aus Präventionssicht empfohlen, diese Produkte gleich zu behandeln wie andere Tabakprodukte.

Die Tabakprävention hat folgende Ziele:

  • Einstieg in den Tabakkonsum verhindern
  • Dauer des Tabakkonsums so stark wie möglich beschränken
  • Ausstiegswillige unterstützen
  • Gesamtbevölkerung vor dem Passivrauchen schützen

Strukturelle Prävention

Ziel der strukturellen Massnahmen ist es, die Attraktivität und die Zugänglichkeit von Tabakerzeugnissen zu reduzieren und so den Eindruck zu relativieren, Rauchen sei etwas Normales. Preiserhöhungen, allgemeine Tabakwerbe- und Promotionsverbote, Ausdehnung der rauchfreien Räume sowie ein breit angelegtes Angebot zur Rauchentwöhnung sind von der WHO-Tabakkonvention (FCTC) anerkannte und empfohlene Massnahmen.

Verhaltensprävention

Die strukturellen Massnahmen werden oft von Projekten begleitet, die sich in koordinierter Form an Schulen, Familien und Gemeinden richten. Dabei handelt es sich einerseits um Sensibilisierungskampagnen und Informationsvermittlung. Andererseits sind für junge Menschen vor allem Ansätze der Stärkung von Sozial- und Risikokompetenzen wirksam.

Beratung und Behandlung

Mit dem Gebrauch von Tabak- und Nikotinprodukten aufzuhören, ist ein Prozess, der Zeit in Anspruch nimmt und manchmal erst nach mehreren Versuchen gelingt. Es gibt jedoch wirksame Strategien und Hilfsmittel, die den Konsumstopp unterstützen. Auch Medikamente wie Nikotinpflaster und die Beratung durch eine Fachperson können hilfreich sein, um die Nikotinabhängigkeit zu überwinden.

Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention (AT) stellt mit einer nach Kantonen gegliederten Adressliste für Beratungen und Empfehlungen wissenschaftlich geprüfter Aufhörmethoden bereit und www.stop-tabak.ch bietet nebst hilfreichen Tipps auch Helpline-Nummern für eine telefonische Beratung in verschiedenen Sprachen.

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